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Bleiben Gatower Wiesen Biotop?

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Pläne für den Landschaftspark Gatow hat die Gesellschaft „Grün Berlin“ schon vor Jahren vorgestellt – bis heute ist jedoch nichts geschehen. Fotos: Grün Berlin

„Die Wiesenlandschaft Gatow ist für den Bezirk Spandau einer der wichtigsten unverbauten Landschaftsräume, der der Naherholung dient, ein unverwechselbares Landschaftsbild besitzt und einer der wertvollsten Naturräume für eine Vielzahl seltener Arten darstellt“, schreibt der für den Bereich Umwelt- und Naturschutz zuständige Stadtrat Andreas Otti (AfD) in seiner Antwort auf eine Anfrage der Partei Die Linke zu den „Gatower Wiesen“.

Deren Fraktionsvorsitzender Lars Leschewitz hatte wissen wollen, wie denn der aktuelle Stand der Verhandlungen des Senats mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zur Entwicklung der sogenannten Gatower Wiesen nördlich der Landstadt Gatow sei. Da „der Bezirk nicht direkt in die Verhandlungen eingebunden ist“, konnte Otti lediglich bestätigen, dass „sich BImA und Land Berlin weiterhin in Verhandlungen befinden“. Daher lägen dem Bezirk darüber hinaus keine neuen Erkenntnisse vor.
Verhandelt wird offenbar noch immer darüber, ob und in welcher Form die Pläne, aus dem Areal den „Landschaftspark Gatow“ zu machen, umgesetzt werden sollen. Dazu hatte sich der Bund 1996 gegenüber dem Land Berlin und dem Bezirk Spandau in einem städtebaulichen Vertrag verpflichtet. Das sieht der Bezirk derweil aber eher kritisch. Grund: Das Gelände des geplanten Landschaftsparks Gatow hat sich in den vergangenen Jahren zu einer artenreichen Wiesenlandschaft mit zahlreichen, teilweise durch die Rote Liste streng geschützten Arten entwickelt. 2015 hat sich zudem auf Initiative des Diplom-Biologen Dr. Andreas Federschmidt die „Bürgerinitiative zur Verhinderung der sogenannten Parklandschaft Gatow“. formiert. Deren Ziel: Sie wollen die Zerstörung der Naturlandschaft durch die Anlage den so genannten Landschaftspark Gatow im Norden der Landstadt Gatow verhindern. Für diese Umgestaltung der Naturlandschaft in eine Park- und Erholungs-Landschaft veranschlagte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Kosten von 5,5 Millionen Euro. Mit der Umsetzung beauftragt wurde „Grün Berlin“, die Gesellschaft des Landes Berlin für Stadtentwicklungsstrategien. „In diesen Absichten sehen wir eine groß angelegte Zerstörung einer gewachsenen Naturlandschaft“, sagt dagegen Federschmidt.
Geschehen ist bislang nichts. Die Natur hat sich derweil zu einem Naturraum entwickelt, der zum Erhalt jedoch auch einer gewissen Pflege bedarf.
Die Androhung des Umwelt- und Naturschutzamts Spandau auf der Grundlage des Bundes-Naturschutz-Gesetzes an die BImA, Ersatzmaßnahmen zu ergreifen, falls die BImA nicht bis Ende Februar 2018 naturschutzfachlich notwendige Maßnahmen zur Sicherung der jetzt bestehenden Gatower Wiesenlandschaft unternehme, hat nach Angaben Ottis Wirkung gezeigt. Die BImA habe derweil für die ausstehende Pflege der Wiesenlandschaft gesorgt. Bis Ende Februar seien auf einem Großteil der Flächen die gebietsfremden Pflanzen (Neophyten) gerodet worden. „Vereinzelt werden auch Baum- und Strauchgruppen entnommen, um wieder mehr Struktur in die Landschaft zu bekommen, die den verschiedenen Arten und ihren Ansprüchen gerecht wird“, schildert Otti weitere Maßnahmen der BImA. Rosen, Holunder und Weidenbäume seien erhalten worden, vermehrter Gehölzaufwuchs durch über mehrere Jahre ausgebliebene Pflege habe man zurückgedrängt. „Auf einzelnen Flächen wird außerdem noch eine Mahd durchgeführt, um der Verbuschung entgegen zu wirken“, kündigt der Umweltstadtrat an. Die Maßnahmen seien zwischen Umwelt- und Naturschutzamt, der BImA als Flächeneigentümer und den Bundesforsten als durchführende Verantwortliche vor Ort abgestimmt worden. Auch während der Maßnahmen habe es immer wieder Kontroll- und Abstimmungstermine gegeben. „Außerdem wurde ein Vogel-Experte zu Rate gezogen, der das Gebiet und die Ansprüche der verschiedenen Arten kennt“, sagt Otti.
Geklärt ist damit die Zukunft der Gatower Wiesenlandschaft keineswegs. „Das Bezirksamt Spandau hat sich mehrfach eindeutig zur Wiesenlandschaft positioniert und akzeptiert nur Maßnahmen, die diese wertvollen Flächen schützen und sie nicht in ihrer bestehenden Struktur nachhaltig stören“ versichert Otti. Deshalb habe das Bezirksamt auch in mehreren Schreiben an die Senatsverwaltung auf die Problematiken durch die ausstehende Pflege aufmerksam gemacht. Damit verbunden sei auch jedes Mal die Bitte gewesen, Auskunft über die weiteren Planungen zur Gatower Wiesenlandschaft zu bekommen. „Dem wurde leider mit Verweis auf das schwebende Verfahren zwischen BImA und Land Berlin nicht entsprochen“, bedauert der Umweltstadtrat. Das Umwelt- und Naturschutzamt trage jedoch in der Zwischenzeit mit seinen Maßnahmen dafür Sorge, dass sich der Zustand der Flächen nicht weiter verschlechtert oder eine Verbesserung des Flächenzustands für den Natur- und Artenschutz erreicht werde. ud

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