Spandau, News

Sportfreunde Kladow mit Power

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Dreifache Frauenpower bei den Sportfreunden Kladow: Karin Thöns, Geschäftsstellen-Mitarbeiterin seit 1997, Vorsitzende Manuela Stein und Geschäftsführerin Cindy Kotlinsky (von links nach rechts). Foto: Uhde

Der Termin für ein Gespräch über den Südspandauer Sportverein „Sportfreunde Kladow“ (SFK) am 8. März hätte nicht passender gewählt sein können. Saß ich doch am Weltfrauentag mit der Vorsitzenden Manuela Stein (60), Geschäftsführerin Cindy Kotlinsky und Karin Thöns, Geschäftsstellen-Mitarbeiterin seit 1997, der versammelten Frauenpower der aktiven Führung des am 1. Mai 1949 gegründeten Sportvereins gegenüber. Damals im Gründungsjahr war das noch ganz anders gewesen.


Es ist die die Zeit der Luftbrücke. Die Zahl der Kladower Einwohner liegt knapp über 4000, als sich zwei junge Kladower Freunde über Fußball unterhalten. Der Polizei-Hundeführer Heinz Pahl und wahrscheinlich Sigismund Drobig heften mit Schreibmaschine getippte Zettel mit der Aufschrift „Wir suchen fußballbegeisterte Sportler“ im Dorf an – die Reißnägel dazu hatten sie sich von der offiziellen Mitteilungstafel des Magistrats an der alten Dorfschule an der Sakrower Landstraße 2 „ausgeborgt“. Vorgeschlagen wird ein Treffen am Abend des 27. April im „Kladower Hof". 16 Fußballfans erscheinen, die prompt verabreden, am folgenden Sonnabend ein Spiel auszutragen. Man trifft sich auf der "Griffe", einem Freigelände im Bereich der heutigen Finnenhaussiedlung. Schnell entsteht die Idee, sich in einem Verein zu organisieren. Auf einer Gründungsversammlung Anfang Mai wählen die Freunde aus ihrem Kreis durch Handzeichen den Kameraden Eugen Braumann als geschäftsführenden Vorsitzenden, seinen Bruder Theo Braumann als Kassierer und als Helfer die Kameraden Wenzel und Drobig, so alte Aufzeichnungen. Da man sich schon damals einig ist, dass sich die Vereins-Aktivitäten nicht auf Fußball beschränken sollen, wird nach reger Diskussion beschlossen, den Verein „Sportfreunde Kladow“ zu nennen.
Den Antrag auf die Vereinsgründung, dem damals noch außer dem Magistrat von Groß-Berlin auch die Siegerächte zustimmen mussten, unterschrieben Eugen Braumann, Edmund Cencarek, Kurt Hartmann, Paul Holzhäuser und Heinz Pahl, die seither als offizielle Vereinsgründer gelten. In einem Schreiben datiert auf den 10. September 1949 bestätigte der Magistrat von Groß-Berlin den Gründern des Vereins Sportfreunde Kladow dann, dass sie von diesem Datum an als nichtpolitische Organisation anerkannt seien und „ihre Tätigkeit im Bereich von Groß-Berlin ausüben“ dürften. Eigentlich sollten nach Beschluss der Gründungsversammlung die Vereinsfarben Schwarz-Weiß sein. Doch weil in den wenigen Sportfachgeschäften in Berlin nur ein Satz Sportkleidung in den Farben blau und gelb zu bekommen waren, wurden dies auch die Farben des neu gegründeten Vereins. Als Sportplatz weisen die Behörden den Sportfreunden ein Gelände am Groß Glienicker See im Bereich des heutigen Campingplatzes zu, den so genannten „Sandacker“ am Krampnitzer Weg.
Doch die Männer bleiben nicht lange unter sich. Schon im Sommer 1949 wird eine Damen-Handballmannschaft gegründet. Und der Verein wuchs rasant. Auf der ersten Hauptversammlung kurze Zeit nach der Gründung zählte man bereits 112 Mitglieder. 1994 überschritt der Verein die Schallgrenze von 2000 Mitgliedern, zu denen allein die Gymnastikabteilung 1200 beisteuerte. 69 Jahre nach der Gründung sind rund 2500 Frauen, Männer und Kinder im Alter von wenigen Monaten bis zu 94 Jahren Kladower Sportfreunde. Damit zählen die Sportfreunde zu den zahlenmäßig stärksten Sportvereinen im Bezirk. Und der Verein nimmt im Spandauer Süden eine wichtige, gesellschaftliche Aufgabe wahr. Ergänzt er doch hier vielfach das recht „dünne“ Angebot des Bezirks im punkto Freizeit und Soziales. Derweil ist Kladow auch auf nahezu 15.000 Einwohner gewachsen.

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Das Vereinsgelände der Sportfreunde Kladow am Gößweinsteiner Gang 53. Foto: Uhde


Die Sportfreunde nutzen ein in Eigenarbeit entstandenes Vereinsgelände am Gößweinsteiner Gang 53. Das wurde am 13. September 1953 mit einem großen Sportfest eröffnet. Ein neues Vereinsheim steht dort seit Juni 1986 zur Verfügung und ist zentraler Treffpunkt für alle Vereinsmitglieder. Dieses Jahr steht auch für den Ärger, den der Verein mit seinen damaligen Nachbarn bekam. 13 von ihnen, darunter gar eine Sportlehrerin der Kladower Grundschule, klagten gegen die Baugenehmigung und den angeblichen Lärm vom Sportplatz. Der legendäre Richter am Oberverwaltungsgericht, Professor Albrecht Grundei, zeigte den klagenden Anwohnern 1987 bei einem Ortstermin ihre Grenzen auf. Er entschied zugunsten des SFK, der sich bereit erklärte, mit Schallschutz-Wänden für mehr Ruhe zu sorgen.
In den Jahren waren die Aktivitäten auf dem SFK-Sportplatz mit immer neue Abteilungen auch gewaltig angestiegen. Die Fußballabteilung erhielt Zuwachs: Im August 1958 Tischtennis, ein Jahr später Faustball, 1963 Boxen, 1974 Damen-Gymnastik, 1981 Tennis (seit 2016 mit eigener Tennishalle) und 1996 Judo ergänzten die Sportmöglichkeiten beim SFK. Aktuell sind es 15 Sportarten, zu denen etwa Kunst- und Einrad, Judo, Teakwondo, Kung-Fu sowie Fitness und Gesundheitssport gehören. Und die glänzen nicht selten mit großen Erfolgen ihrer Sportler, stellen Berliner und norddeutsche Meister, nehmen gar an Deutschen Meisterschaften teil. So wurde aus einem Fußballverein ein Breitensportverein für die ganze Familie. Neben der Sportanlage Gößweinsteiner Gang nutzt der Sportverein zahlreiche öffentliche Sportstätten und Schulturnhallen in ganz Spandau, um ein breitgefächertes Sportangebot für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren zu ermöglichen. Der Verein wird ehrenamtlich geführt. Der Sportbetrieb in den Abteilungen wird durch mehr als 30 gewählte ehrenamtlich tätige Vorstandsmitglieder organisiert. Mehr als 70 ausgebildete lizensierte Mitarbeiter und Trainer stehen für die vielseitigen Sportangebote zur Verfügung. Aber weitaus mehr engagierte Eltern, Betreuer und Helfer ermöglichen mit ihrer Unterstützung die Teilnahme am Wettkampfsport, am regelmäßigen Spielbetrieb oder an Feriencamps und Fahrten in den einzelnen Sportarten.
Keine Probleme? „Doch, uns fehlen Sportflächen und Hallen-Kapazitäten im Spandauer Süden“, sagt die soeben wiedergewählte Vereinsvorsitzende Manuela Stein, die den Verein seit 2012 führt. Dadurch bedingt seien Wartelisten in nahezu allen Abteilungen. Und ganz besonders fehle dem Verein ein Funktionsgebäude am Sportplatz in der Landstadt Gatow. „Wenn es hart kommt, stehen wir dort plötzlich wortwörtlich im Regen“, so Frau Stein. Die gute gesellschaftliche Vernetzung im Spandauer Süden und das Engagement des Vereins in Verbänden betont Geschäftsführerin Cindy Kotlinsky, die selbst Mitglied in der Stadtteil-Konferenz ist. Intensiv sei die Zusammenarbeit mit den beiden örtlichen Grundschulen und dem Kladower Hans-Carossa-Gymnasium. „Auch die bestehende Kooperation mit dem Nachbarschaftshaus Parnemannweg, dem Projekt Chance e. V./Kompetenzteam Kladow und dem Berufsbildungswerk des Rotkreuz-Instituts werden wir weiter ausbauen“, sagt Frau Kotlinsky.
Auch für die Zukunft sind die Sportfreunde gut gerüstet. „Aktuell diskutieren wir auch mit externer Fachunterstützung über die Modernisierung des Vereins“, sagt die Vorsitzende. So wolle man Strukturen zeitgemäß verändern, die Nutzung vorhandener Platzkapazitäten maximieren. Verändert wurde bereits die Vereinsstruktur. Jetzt gibt es eine Delegierten-Versammlung, in der Mitglieder aus allen Abteilungen gemeinsam das Vereinsleben mitbestimmen. Zudem haben die Sportfreunde einen Jugendrat, der frischen Wind und neue Ideen ins Vereinsleben bringt. Beliebt sind auch die Camps des Vereins. So treffen sich in der letzten Woche der Sommerferien bis zu 80 Teilnehmer zum einwöchigen Fußballcamp auf dem Sportplatz. Und bereits vom 9. bis 13. Juli veranstalten die Sportfreunde ein Tenniscamp am Gößweinsteiner Gang. ud

Die Daten des Vereins:
Sportfreunde Kladow (SFK)
Gößweinsteiner Gang 53
14089 Berlin
Telefon: 030 365 77 80
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Öffnungszeiten der Geschäftsstelle:
Montag, Dienstag und Donnerstag von 10 bis 13 sowie Mittwoch von 16 bis 19 Uhr

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