Spandau, News

Soldat mit großem Herz

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Für Oberstleutnant Joachim Weiß bedeutete seine Pensionierung auch die Chance, das vielfältige Engagement für seine Mitmenschen noch weiter zu verstärken. Foto: Uhde

Dass Soldat sein nicht etwa nur Kommandoton und nicht nachgefragte Befehlstreue bedeuten muss, sondern durchaus die vertrauensvolle Zuwendung zum Mitmenschen bedeuten kann, beweist wie kaum ein anderer der Kladower Joachim Weiß (62). Vielen Spandauern ist der Oberstleutnant sicher noch als langjähriger Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der ehemals in Kladow stationierten 3. Luftwaffendivision bekannt. In dieser Funktion arbeitete er von 1994 bis kurz vor seiner Pensionierung im Jahr 2005. 1955 in Schöneberg geboren, trat Weiß 1975 in die Bundeswehr ein. Er wurde zum Offizier ausgebildet und schloss sein Studium der Pädagogik an den Hochschulen der Bundeswehr in Hamburg und München im Juni 1980 als Diplom-Pädagoge ab.


Als Bundeswehr-Angehöriger war Joachim Weiß danach Jahre lang auf „beruflicher Wanderschaft“. Die führte ihn nach Goslar und Münster sowie als Sprecher der Luftwaffe zu Auslandseinsätzen in Italien Griechenland, Portugal und in den Sudan. Bevor Weiß im Juli 1994 nach Kladow kam, war er in Lüchow-Dannenberg stationiert. Dort lernte er Ehefrau Martina kennen und brachte sie mit in die neue Heimat. Maßgeblich war Weiß dann an der Organisation der Übernahme des Flugplatzes Gatow von der britischen Royal Air Force durch die deutsche Luftwaffe beteiligt. Anfang September 1994 zog dort die 3. Luftwaffendivision in die nun nach dem deutschen General Johannes Steinhoff (1913-1994) benannte Kaserne ein. Bis 2004 wohnte Familie Weiß gemeinsam mit Melanie (37), Tochter aus erster Ehe von Joachim Weiß, auch auf dem Gelände der Kladower Kaserne. Heute ist das Haus in der Landstadt Gatow das gemeinsame Heim von Martina und Joachim Weiß, der 2005 vorzeitig pensioniert wurde. „Gern hätte ich noch länger gedient, aber meine 2002 diagnostizierte Erkrankung an Multipler Sklerose veranlasste meinen Dienstherrn, sich vorzeitig von mir zu trennen“, bedauert Weiß.
Doch für Joachim Weiß bedeutete die vorzeitige Pensionierung auch die Chance, sein vielfältiges Engagement für seine Mitmenschen noch weiter zu verstärken. Schon als Soldat hatte er damit begonnen. Viele werden sich gern an die Adventskonzerte des Luftwaffen-Musikkorps in der St. Nikolai-Kirche erinnern, die Weiß von 2008 bis 2011 organisierte. Dem Bezirk brachten sie ein gehöriges Sümmchen ein, mit dem soziale Projekte in der Havelstadt gefördert wurden. Engagiert zeigte sich Weiß auch in der Lokalpolitik. Von 1999 bis 2006 war er Mitglied der CDU-Fraktion in der Bezirksverordneten-Versammlung Spandau. Bei weiteren ehrenamtlichen Engagements „war und ist mir meine Frau Martina stets eine große Hilfe“, sagt Weiß. Dazu zählt vor allem auch die Aktion „Lastkraftwagen und toter Winkel". Die organisierte das Ehepaar Weiß seit 2005. „Mit diesem privaten Engagement hat sich das Ehepaar Weiß vorbildlich für die Verkehrssicherheit von mehr als 1200 Kindern und Jugendlichen eingesetzt“, würdigte Helmut Kleebank die Verdienste im August 2015. Damals erhielt Weiß vom ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Damit würdigte Gauck, dass Weiß jährlich gemeinsam mit dem Polizeiabschnitt 23 zahlreiche Grundschüler für ein alltägliches Risiko, das zu oft unterschätzt wird, sensibilisiert. Joachim Weiß organisiert dazu mit Hilfe von Mercedes-Benz zwei 40-Tonner. Mit den von 500 Pferdestärken angetriebenen Boliden klärt er die Teilnehmer über die Tücken des toten Winkels auf.
Ebenfalls für die jungen Kladower engagiert sich das Ehepaar Weiß seit 2006 mit dem jährlich veranstalteten Kinder-Flohmarkt in der Landstadt. Und auf dem besten Weg Tradition zu werden ist auch eine vorweihnachtliche Aktion, die das Ehepaar 2017 bereits zum dritten Mal organisierte. Anfang Dezember lud das Ehepaar Weiß diesmal 35 Obdachlose aus dem Verein „Herberge zur Heimat“ an der Falkenseer Chaussee 154 zum vorweihnachtlichen Drei-Gänge-Weihnachtsmenu ins Casino des Sanitätsregiments 1 - Führungsbereich Berlin in der Blücher-Kaserne an der Sakrower Landstraße 100 ein. Mercedes Benz hatte einen Reisebus gestellt, der die Gäste nach Kladow brachte. Unterstützt wurde das Ehepaar bei der Finanzierung und Organisation des Gänse-Schmauses wieder von der Arbeiterwohlfahrt Spandau (AWO), durch Spenden von Kladower Mitbürgern und Geschäftsleuten, einem Ehepaar aus Boston sowie durch Hausherr Oberstleutnant Sven Osan, Kommandeur des Sanitätsregiments 1.
Ein wenig gibt Joachim Weiß mit all diesen Aktionen Spandau und vor allem seinem Heimatkiez Kladow auch an Dankbarkeit zurück. „Als gebürtiger Berliner wollte ich eigentlich nie zurück in diesen Großstadt-Moloch“, sagt der Oberstleutnant. Doch als er 1994 hier in Kladow angekommen sei, sei seine erste Reaktion gewesen: „Das ist ja gar nicht Berlin“. „Am Spandauer Süden schätze ich einfach, dass man sich hier kennt und im Gegensatz zur Großstadt noch den persönlichen Kontakt pflegt“, schwärmt Joachim Weiß. ud

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