Spandau, News

Kladower Parkviertel im Umbau

Mieter leben seit gut einem Jahr auf einer Baustelle

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Seit mehr als einem Jahr behindern Erschließungsmaßnahmen die Lebensqualität der Anwohner im Parkviertel. Ihre Wohnungen sind teilweise nur durch Schlamm und Dreck zu erreichen. Fotos: Uhde

Frust und Ärger herrscht derzeit unter den Bewohnern der 318 Wohneinheiten der einstigen Alliierten-Siedlung am Kladower Damm südlich der General-Steinhoff-Kaserne. Und dem machten mehr als 100 Bewohner bei einer Mieterversammlung Ende November 2017 im Restaurant „Cappuccino“ gehörig Luft. Den Vertretern der Eigentümergemeinschaft „Parkviertel GmbH & Co. KG“, Andreas Schmidt und Stefan Engelmann, schilderten Mieter dabei teils heftig erregt, welche Unbilden sie durch die seit September 2016 andauernden Erschließungsmaßnahmen auf dem 265.000 Quadratmeter großen Areal ertragen müssen.

Das mit rund 26.000 Quadratmetern bebaute Grundstück mit den ehemaligen Adressen Kladower Damm 184 a– 214, 218, 218 a sowie 224–288 a hatte die „Parkviertel Kladow GmbH & Co. KG“ im Dezember 2010 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) gekauft. Dort werden nun die zur Sanierung bestehender Infrastruktur und zur Erschließung weiterer Bauflächen notwendigen Straßen und Versorgungseinrichtungen gebaut. Kosten gut 6 Millionen Euro. „Weil wir dabei etwa auf stromführende Leitungen, die in keinem Plan verzeichnet sind, stießen, kam es bei den Arbeiten immer wieder zu Verzögerungen“, sagt Schmidt. Zum Glück sei man nicht auf vergrabene Kampfmittel gestoßen. Auch Altlasten-Verdachtsflächen gebe es nicht mehr.

 

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Durch die neue Amberbaumallee und den Parkrosenweg werden Grundstücke für 112 neue Eigenheime der „Bonava“ (https://www.bonava.de/immobilien/berlin/spandau/kladow/haus-kaufen-am-golfplatz) auf dem an das Areal des Berliner Golf Clubs Gatow angrenzenden Bauland erschlossen. Auch die „Parkviertel Kladow GmbH & Co. KG“ erweitert ihr Angebot um 79 weitere Wohneinheiten zur Vermietung. Bereits im Bau sind 19 Reihenhäuser südlich der Parkviertelallee direkt an der Zufahrt vom Kladower Damm her. Bezugsfertig sollen sie im Herbst 2018 sein. 2018 startet auch der Bau der vier so genannten Torhäuser auf dem Areal der einstigen „Flughafen-Kita“ am Hans-Grade-Ring. Hier werden 60 Mietwohnungen mit zwei bis fünf Zimmern sowie eine Tiefgarage mit 86 Plätzen gebaut. „Die Neubauten werden so gestaltet, dass sie den Blick auf die benachbarten Gebäude des denkmalgeschützten Ensembles des einstigen Flugplatzes Gatow nicht stören“, verspricht Schmidt. Eine weitere Verdichtung der Bebauung auf dem in der Regel mit einer GFZ von nur 0,25 bebauten Grundstück wäre durchaus möglich. „Doch das ist bislang Zukunftsmusik und dafür notwendige Baugenehmigungen sind noch nicht beantragt“, sagt Engelmann.

 

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Neue Straßen erschließen im Parkviertel weitere Grundstücke. Gebaut werden dort 191 weiter Wohneinheiten. Fotos: Uhde

Von den bisherigen Investitionen der „Parkviertel Kladow GmbH & Co. KG“ profitieren auch die Mieter. So wurden bereits nahezu alle Häuser aus dem Bestand der Alliierten, die teils äußerst „einfach gebaut“ worden waren, saniert. Doch die jetzt laufenden Bauarbeiten erregen den Unmut vieler Anwohner. Ihnen fehlt es vor allem an „Transparenz und rechtzeitiger Information“, sie fühlen sich vom Eigentümer „nicht mitgenommen bei der Planung der mit weitgehenden Einschränkungen verbundenen Baumaßnahmen“. Mieter beklagten, dass man ihnen eine parkähnliche Wohnumgebung versprochen habe, sie stattdessen nun aber auf einer Dauerbaustelle leben würden. „Unsere Lebensqualität ist erheblich eingeschränkt, da die einzige Zufahrt zur Siedlung von Kladower Damm her ständig von Baufahrzeugen blockiert wird und in weiten Bereichen eine Baustelle voller Schlamm, Dreck und Schlaglöchern ist“, sagte Michael Bergmann von der Interessengemeinschaft des Parkviertel-Nordbereichs rund um die Straße An den Parkbäumen. „Wir machen hier nichts, was nicht genehmigt ist“, versicherte dagegen Schmidt. Gestand jedoch ein, dass die Erschließungsmaßnahmen länger als erwartet andauern würden. Dass durch diese Baumaßnahmen auftretende Probleme dem Bezirksamt bekannt seien, versicherte Baustadtrat Frank Bewig (CDU) dem Kladower SPD-Verordneten Uwe Ziesak auf dessen Nachfrage. Die erforderlichen Erschließungsmaßnahmen seien ohne Frage eine Belastung für die Mieter. „Eine Kontrolle der Baustellen hat jedoch bei der für die Straßenverkehrsbehörde wichtigen Frage der ungehinderten Erreichbarkeit der Häuser in Notfällen ergeben, dass es für Rettungsfahrzeuge keine Einschränkungen gibt“, so Bewig. Zudem hätten sich keine Mieter mit Beschwerden an das Bezirksamt gewandt.

Ohne Widerstand wollen jedoch die Mieter die erhebliche Verdichtung der Baukörper auf dem Gelände, ihrer Ansicht nach ungesicherte Baustellen, rücksichtslose Bauarbeiter, Baumfällungen und die von ihnen vermutete Vertreibung hier ansässiger Tierarten nicht hinnehmen. Stattdessen kündigten sie bei der Veranstaltung an, dafür zu kämpfen, dass der ursprüngliche Charakter des Parkviertels erhalten bleibt. So forderte denn auch Heinz Troschitz vom „Spandauer Mieterverein für Verbraucherschutz“ Schmidt auf: „Finden Sie einen Kompromiss bevor die Sache eskaliert.“ Zumindest was ein Entgegenkommen bei der von Mietern erwarteten Möglichkeit temporärer Mietminderung betrifft, war Schmidt zu Eingeständnissen bereit. Allerdings gingen ihm dabei die von Baumann geforderten Beträge „deutlich über den durchsetzbaren Anspruch hinaus“. Statt der geforderten, deutlich höheren Summen machte Schmidt den Mietern einen Vorschlag. „Wir denken da an eine Einmalzahlung von 500 Euro und den Abzug von je 10 Prozent der Kaltmiete für zwei Monate“, sagt Andreas Schmidt.

Künftig wird es für die Mieter eine weitere Erleichterung geben. Damit sie ihr Wohngebiet besser erreichen können, wird die Zufahrt vom Kladower Damm her verbessert. „Wir werden dort auf unsere Kosten entweder die im städtebaulichen Vertrag bereits vereinbarte Abbiegespur bauen, sind aber auch, sofern dies die Verkehrslenkung Berlin so wünscht, dort eine Lichtsignal-Anlage zu finanzieren“, sagt Schmidt. ud

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