Spandau, News

„Steini“ und „seine“ Zitadelle

Steinmöller11

Gemeinsam mit Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) enthüllten Ehefrau Ruth Steinmöller und die drei Töchter am 15. November die Namenstafel. Foto: Uhde

Haus 4 heißt jetzt "Gerd-Steinmöller-Künstlerhaus"

Als „ein Mann der Tat“ wurde Gerd Steinmöller (1931-2003) jetzt als Namensgeber des Hauses 4 auf der Zitadelle, Am Juliusturm 64, geehrt. Von nun trägt das Gebäude, in dem Steinmöller, der von 1976 bis 1996 Leiter des Kunstamtes Spandau war, während seiner Amtszeit für Künstler Ateliers einrichtete, den Namen „Gerd-Steinmöller-Künstlerhaus“. Gemeinsam mit Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) enthüllten Ehefrau Ruth Steinmöller und die drei Töchter am 15. November die Namenstafel.

„Hier auf der Zitadelle ist der beste Ort, um die Erinnerung an Gerd Steinmöller, einen Mann, der die Ärmel hochkrempelte und Visionen in die Tat umsetzte, für immer wachzuhalten“, sagt Hanke. Er sei es gewesen, der die Festung aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt und wesentlich zum heutigen Erscheinungsbild des Spandauer Wahrzeichens beigetragen habe. So etwas hätten nur „Männer wie wir“ schaffen können, zitierte Hanke Steinmöllers wohl unvergessenen Leitspruch. Den habe er allerdings gern ergänzt: „Männer wie wir, was wären wir ohne unsere Frauen“, habe er gern rezitiert. Zudem habe es Steinmöller immer verstanden „Feste feste zu feiern“, erinnerte sich Winfried Augustat, ehemaliger Pfarrer der Evangelischen St. Nikolai-Kirchengemeinde, in seiner Laudation für den verstorbenen Freund bei der Feierstunde im Gotischen Saal der Zitadelle. Er habe sich immer als „freier Mann über alle Dinge und niemandem Untertan“ empfunden. Da habe Steinmöller auch vor einem Pfarrer keinen Halt gemacht.

steinmöller

Gert Steinmöller (1931-2003) wurde jetzt als Namensgeber des Hauses 4 auf der Zitadelle geehrt. Foto: Uhde


Gerd Steinmöller war 2003 nach langer Krankheit im Alter von 72 Jahren verstorben. Mit „Steini“, wie ihn seine zahlreichen Freunde liebevoll nannten, hatte Spandaus kulturelle Szene unerwartet eines ihrer wichtigsten Standbeine verloren. Als „unruhigen Geist“ hatte ihn schon zu seinem 70. Geburtstag Ehefrau Ruth beschrieben: "In unserer Ehe war es nie langweilig", sagte die Frau, mit der Spandaus Kunstmanager seit 1966 verheiratet war. Zwar habe sie oft auf ihren Mann verzichten müssen, aber Gerd habe sie mit seinem Kopf voller sprudelnder Ideen auch vielfach entschädigt.
Und diese Ideen kamen immer wieder der Havelstadt zugute. Als Kunstamtsleiter war "Steini" von 1976 bis 1996 eine immense Bereicherung der Kulturlandschaft des Bezirks. SPD-Altbürgermeister Sigurd Hauff, von 1981 bis 1992 als Stadtrat für Volksbildung sein Chef und enger Freund, bringt es auf den Punkt: „Steinmöller war ein Mensch von ungeheurer Kreativität." Oft sei es allerdings ziemlich schwer gewesen, diese Ideen auch in entsprechende politische Bahnen zu lenken. „Wegen der vor 1989 noch ungewöhnlichen Kontakte zu Osteuropa, die Steinmöller pflegte, hat mich die Senatskanzlei sogar mal eigenständiger Außenpolitik Spandaus gerügt", erinnert sich Hauff. So habe Steinmöller enge Verbindungen zu russischen Diplomaten gehabt, die gern in seiner Laube nahe der Scharfen Lanke zu Gast gewesen seien. Ungeteilt sei die Zustimmung jedoch gewesen, als Steinmöller das Kunststück fertigbrachte, eine Ausstellung von Salvador Dali auf die Zitadelle zu holen. Auch mit Ausstellungen von Rembrandt und Picasso machte Steinmöller die historische Zitadelle zum internationalen Kulturzentrum.
Steinmöller gab als gelernter Klavierbauer, Klavierstimmer und studierter Musiker immer all seine Kraft der Havelstadt. Und auch nach seiner Amtszeit als Kunstamtsleiter profitierte der Bezirk vom schier grenzenlosen Engagement des Vaters dreier erwachsener Töchter. Mit dem „Berliner Zentrum" in Wolgograd sorgte Steinmöller für wichtige Kontakte Spandauer Firmen zu den russischen Geschäftspartnern. Und im „Kulturforum Spandau" mischte der 1931 in Jungfernheide geborene Steinmöller auch nach seiner Pensionierung kräftig in der Kulturszene der Havelstadt mit. ud

Regionales Stadtjournal Falkensee + Spandau

Herausgeber:

Havelland Verlag GbR

Redaktion:

Bernhard von Schröder

Anzeigenannahme:

+49 3322 23 80 65

Henkelstr. 6
14612 Falkensee