Spandau, News

Macht und ländliche Idylle

14 Spandauer Denkmale laden zum Besuch

Denk Gutgatow

Alle Fotos: Uhde

Am 9. und 10. September lädt das Landesdenkmalamt Berlin zum „25. Tag des offenen Denkmals“ ein. Mehr als 330 Denkmale in allen Berliner Bezirken sind dabei für Besucher geöffnet. Das gesamte Programm gibt es im Internet unter www.berlin.de/denkmaltag . Spandau ist mit 14 Angeboten dabei.

Dazu gehören mehrere Kirchen, alte Bauernhäuser, ein historischer Fahrradladen und das UNESCO-Welterbe Ringsiedlung Siemensstadt. Auch zum diesjährigen Schwerpunktthema „Macht und Pracht“ gibt es in der Havelstadt einige Beispiele. Dazu gehört etwa das Rathaus Spandau an der Carl-Schurz-Straße 2/6. Das ursprünglich von den Architekten Heinrich Reinhardt und Georg Süßenguth entworfene Amtsgebäude wurde vor gut 100 Jahren mit „Bürgerstolz und Kaisertreue" eröffnet. Schüler setzen sich in der Ausstellung „Rathaus Spandau - damals und heute“ mit seiner Entstehung und einst prächtigen Ausstattung, der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und seinem Wiederaufbau künstlerisch auseinander. Geöffnet ist am 9. und 10. September von 11 bis 17 Uhr. Führungen durch das Rathaus und auf den Rathausturm mit Denkmalschützer Dr. Dieter Nellessen gibt es jeweils um 11 Uhr. Treffpunkt ist in der Säulenhalle. Anmeldung unter Telefon 030 354 944 301 ist erforderlich bis zum 8. September.

Denk RathausSpandau 1

Beispiel für das Schwerpunktthema „Macht und Pracht“ ist sicher auch der Flugplatz Gatow. Die 1934-35 errichteten Bauten am Kladower Damm waren damals die modernsten und großzügigsten Schulungs- und Kasernengebäude der im Aufbau befindlichen Luftwaffe. In dieser repräsentativen Anlage sollte die militärische Führungselite für den kommenden Luftkrieg ausgebildet werden. Die attraktiven Gebäude und deren komfortable Ausstattung wurden allseits gelobt. Am Denkmaltag lädt das Militärhistorische Museum der Bundeswehr, Am Flugplatz Gatow 33, an beiden Tagen zu Fahrrad- und Bustouren zu den nationalsozialistischen Bauten für die Luftwaffe ein. Start ist am Tower-Gebäude. Mit dem Rad geht es um 10, 12 und 14 Uhr los. Die Busse starten dort um 11, 13 und 15 Uhr.
Ebenfalls militärischen Zwecken diente das Fort Hahneberg am Hahnebergweg 50. Das Außenfort wurde 1882-1888 in den Hahneberg eingearbeitet um feindliche Angriffe auf die in Spandau konzentrierten Rüstungsfabriken zu verhindern. Das Fort ist eines der letzten als „Biehlerfort" errichteten Festungsbauwerke in Deutschland, dass noch weitestgehend erhalten ist. Der Verein „Arbeits- und Schutzgemeinschaft Fort Hahneberg“, der sich seit mehr als 20 Jahren für den Erhalt der Festung einsetzt, lädt am 10. September um 12, 14 und 16 Uhr zu Führungen ein. Treffpunkt für Interessierte ist am Tor. Im Kehlgrabenwehr ist von 12 bis 17 Uhr die Ausstellung „Fort Hahneberg gestern und heute“ zu sehen.
In der Idylle der Gartenstadt Staaken mag man kaum vermuten, dass hier mit den Mehrfamilienhäusern an der Hackbuschstraße 19-63 Wohnungsbauten der Kriegsjahre 1915 bis 1917 stehen. Nach den Plänen des Architekten Paul Schmitthenner entstand eine in sich geschlossene Siedlung mit 793 Kleinwohnungen in Ein- und Mehrfamilienhäusern rund um einem zentralen Marktplatz. Am Treffpunkt an der Straße Am Heideberg 12 beginnen am Sonnabend um 13 und am Sonntag um 15 Uhr Führungen durch die Gartenstadt mit Architektin Karen Albert-Hermann. Dabei stellt sie auch erste Ergebnisse der laufenden energetischen Sanierung vor.
Zum Reigen der am Denkmaltag geöffneten Kirchen gehört die Dorfkirche Staaken an der Hauptstraße 12. Sie verkörpert einen Saalbautypus des 14. Jahrhunderts, der im Barock und im Klassizismus überarbeitet wurde, bei dem sich aber auch ursprüngliche Bauelemente erhalten haben. Durch ihre Lage an der Berliner Mauer beschädigt wurde die Kirche mithilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz 2000-2002 durch Karsten Westphal neugestaltet. Gleichzeitig entstand das Wandbild „Versöhnte Einheit" von Gabriele Mucchi. Geöffnet ist die Kirche am Sonnabend von 11 bis 16 und am Sonntag von 15 bis 16 Uhr. Gottesdienst ist am 10. September um 10 Uhr.
Die 1929-19 1 nach Entwürfen von Hans Hertlein gebaute Christophorus-Kirche am Schuckertdamm 336-340 lädt am Sonntag von 13 bis 17 Uhr zum Besuch ein. Zum Programm gehören eine Turmbesteigung um 15, eine Führung durch Siemensstadt um 15.30 und ein Konzert mit französischer und deutscher Musik der Romantik um 17 Uhr. Die gotische, dreischiffige Hallenkirche St. Nikolai auf dem Reformationsplatz stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Sehenswert sind die Sakralkunstwerke, der begehbare Dachstuhl von 1368 und die Reste der ursprünglichen Turmanlage. Geöffnet ist am Sonnabend von 11 bis 18 (Führungen um 12.30 und 16 Uhr) und am Sonntag von 12 bis 18 Uhr (Führungen um 12 und 16 Uhr). Danach informiert das Altstadtmanagement über die geplante Neugestaltung des Reformationsplatzes. Gleich nebenan lädt an beiden Tagen von 15 bis 18 Uhr das reformationsgeschichtliche Museum „Spandovia Sacra“ der St. Nikolai-Kirchengemeinde zu Ausstellungen und zum Besuch im Museums-Café ein.

Denk Nikolai


Die Schilfdachkapelle „Zum guten Hirten“ am Gottfried-Arnold-Weg 10 in Kladow wurde im April 1953 eingeweiht. Sie gilt als ein Denkmal deutsch-deutscher Geschichte, da die in Spandau wohnenden Mitglieder der Kirchengemeinde Groß Glienicke von ihrer nach der Grenzziehung in der DDR liegenden Mutterkirche getrennt wurden. Zu besichtigen ist die mit Schilf gedeckte Kapelle am Sonntag vom 12 bis 16 Uhr. Die St. Marien-Kirche, Behnitz 9, ist die zweitälteste katholische Kirche in Berlin. 2001 erwarb das Berliner Ehepaar Kißner die Kirche und ließ sie aus privaten Mitteln aufwendig sanieren. Das Gotteshaus ist an beiden Tagen von 14 bis 16 Uhr geöffnet, eine Führung wird jeweils angeboten.
Beispiele des ländlichen Spandaus sind Kornspeicher und Gutshof Gatow an der Buchwaldzeile 45. Sie vermitteln noch heute ein Bild davon, wie das Leben auf dem Gutshof einst aussah: Wagen- und Kutschenremise, Stallgebäude, Eiskeller, Gärtner- und Waschhaus, Wasserturm und Gutsarbeiterhäuser. Ulrich Reinicke führt an beiden Tagen um 14 Uhr durch die Anlagen. Zudem gibt es von 13 bis 17 Uhr ein Fest mit klassischer Musik auf dem Gutshof. Das jetzt „Haus Kladower Forum“ genannte Gebäude am Kladower Damm 387 war eigentlich ein repräsentatives Bauernwohnhaus aus den 1880-er Jahren. Unter dem Motto „Vom Bauernhaus zum Haus Kladower Forum“ führen am 10. September Josef Chlodek, Professor Rainer Nitsch und Horst Pessel durch das Haus. Zur Besichtigung ist es von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Denk Marzahnscher Hof

 

Ein Fahrradgeschäft mit historischer Einrichtung aus den 1920er-Jahren ist „Ulis Museumsladen“ an der Jagowstraße 28. Der ist am Sonntag von 10 bis 17 Uhr zur Besichtigung geöffnet. Führungen mit Ulrich Feik zum Thema „200 Jahre Fahrrad“ gibt es stündlich von 10 bis 16 Uhr. Wer am „7. Fahrrad-Klassik-Markt“ am selben Tag teilnehmen möchte, sollte sich schnell unter Telefon 030 336 69 87 anmelden. Als UNESCO-Welterbe präsentiert sich die Ringsiedlung Siemensstadt. Sie entstand 1929-34 unter Mitwirkung der Architekten Otto Bartning, Fred Forbát, Walter Gropius, Hugo Häring, Paul Rudolf Henning und Hans Scharoun, die der progressiven Vereinigung "Der Ring" angehörten. Dieser hatte sich zum Ziel gesetzt, das Neue Bauen zu fördern. Mit ihren sozialen und sanitären Funktionen wurden die Freiräume der Siemensstadt als Ausgleich zu den schweren Lebens- und Arbeitsbedingungen ihrer Bewohner verstanden. Führungen gibt es an beiden Tagen um 10 Uhr. Treffpunkt ist am Ausgang U-Bahnhof Siemensdamm, Jungfernheideweg 2. Anmeldung unter Telefon 030 897 865 401 erforderlich bis zum 7. September. ud

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